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Der Strickkreis
Der aus evangelischen und katholischen Frauen zusammengesetzte Strickkreis fertigt ehrenamtlich Wolldecken und Baumwollschlüpfer an, die über das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) in Tübingen an Empfänger in Entwicklungs- oder Notgebieten in aller Welt weitergeleitet werden.
In Wettesingen gehörten im Jahr 1992 15 Personen und in Niederlistingen 18, z. T. auch aus den Nachbarorten zu den Strickkreisen, die sich im Winterhalbjahr regelmäßig einmal wöchentlich im Haus der Begegnung in Wettesingen bzw. im Niederlistinger Dorfgemeinschaftshaus trafen. Nach altersbedingtem Ausscheiden und wenig Nachwuchs nehmen jetzt noch Wenige teil. Als der Kreis in Niederlistingen in den letzten Jahren kleiner wurde, kamen die Frauen abwechselnd in ihren Wohnzimmern zusammen. Leider ist auch dies inzwischen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. Trotzdem gibt es Einzelne, die die Arbeit treu weiterführen und allein zuhause weiter stricken oder häkeln. Auch der Wettesinger Kreis ist kleiner geworden. Allein in den letzten Monaten verstarben zwei Mitglieder, eine Frau zog fort, und eine weitere kann gesundheitlich bedingt nur noch selten teilnehmen. Seit dem Frühjahr dieses Jahres trifft sich der Kreis ganzjährig am ersten Mittwoch im Monat. Dann wird gearbeitet, erzählt, zwischendurch Kaffee getrunken (den Kaffee stiftet die Kirchengemeinde, der Kuchen wird umschichtig von den Frauen gebacken.) Die meisten Frauen häkeln, anstatt zu stricken, weil hierdurch die Schultern nicht so stark belastet werden. Den Abschluss des Nachmittags bildet eine kurze Andacht. Außerhalb der Treffen wird zu Hause weitergearbeitet. Manche Frauen, z. B. gehbehinderte oder noch berufstätige, stricken nur oder überwiegend zu Hause.
Die Idee des Strickkreises wurde vor fast 30 Jahren von Herrn Pfarrer Gebauer nach Wettesingen gebracht und begeistert aufgenommen. Anfangs wurden Babydecken (80 x 80 cm) und Schlüpfer gestrickt. Nach Auskunft des DIFÄM werden z. B. Decken im Format 1 m x 1,20 m für erwachsene Leprapatienten in Tropenkrankenhäusern benötigt, Höschen dagegen weniger. Die Leprapatienten erhalten bei Behandlungsbeginn im Krankenhaus eine neue Decke, die sie später mit nach Hause nehmen dürfen. Die Babydecken werden an Mütter ausgegeben, die ihre Kinder zur Gesundheitsvorsorge bringen, und bieten damit einen Anreiz, zu diesen Untersuchungen zu kommen. Im Evangelischen Gemeindehaus hängt ein Bild aus Tansania, auf dem ein frühgeborenes Baby in mehrere Decken gehüllt in einem Körbchen liegt - das ist sein Brutkasten. In den letzten Jahren steht auch die Katastrophenhilfe im Brennpunkt. Nordkorea sowie osteuropäische und afrikanische Länder waren hierbei Ziel der Hilfslieferungen.
Neue Wolle ist sehr teuer. Im Haushaltsplan der Evangelischen Kirchengemeinde ist ein gewisser Betrag dafür vorgesehen, aber der tatsächliche Bedarf berührt den vierstelligen Bereich (eine Decke kostet mindestens € 10,-, und die Frauen produzieren im Schnitt monatlich je eine Decke!). Daher ruft der Strickkreis immer wieder - in der Gemeinde, im Bekannten- und Verwandtenkreis - zu Wollspenden auf; Reste können gut zu Streifenmustern verarbeitet werden. Es wird auch viel gebrauchte Wolle verwendet; mancher selbst gestrickte Pullover endet nicht im Altkleiderbeutel, sondern - aufgetrennt und wiederverarbeitet - als Decke in Notgebieten! Das „Aufribbeln“ der Wolle wird von einigen alten Menschen, die nicht mehr handarbeiten können, mit viel Liebe und großer Geduld übernommen. Einige Geschäfte in der Umgebung lassen sich darauf ein, entweder Restbestände an Wolle zu spenden oder größere Mengen zu Sonderpreisen abzugeben. Immer wieder einmal hat die Gemeinde, z. B. am Buß- und Bettag, zum Basar für den Strickkreis eingeladen. Der Erlös aus Kaffee- und Kuchenverkauf und evtl. dem Verkauf von „Selbstgemachtem“ unterschiedlichster Art ist eine gute Einnahmequelle. Im Rahmen dieser Nachmittage berichteten gelegentlich auch Mitarbeiter des DIFÄM aus ihrer Arbeit. Die Arbeit des Strickkreises, die direkt dazu beiträgt, in entfernten Ländern Not zu lindern, wird von allen Wettesinger Bevölkerungsgruppierungen unterstützt.
Eine Frage der Organisation ist der Versand der Decken an das DIFÄM. Das Institut meldet sich im Kirchenkreis, wenn wieder eine Fracht ansteht, der die Decken beigefügt werden können. Die Strickkreise in unserem Kirchenkreis sammeln dann alle fertigen Strickprodukte zur Abholung an einem Ort; die Transportkosten für die Versendung – zurzeit per Seefracht über Amsterdam – übernimmt das DIFÄM. Häufig werden die Decken auch als Polstermaterial medizinischen Hilfslieferungen des DIFÄM beigefügt und gelangen so ohne eigene Transportkosten an ihren Zielort.
Die durch den guten Kontakt zum DIFÄM übermittelten Berichte über den Bedarf an den Strickwaren und ihr tatsächliches Ankommen und ihren Einsatz in den Notgebieten geben den Mitgliedern des Strickkreises immer wieder Ansporn, ihre wichtige Arbeit im Dienst der Nächstenliebe weiterzuführen.
Unsere Strickkreise helfen in Malawi und Kamerun Frau Elfriede Reckert aus Niederelsungen, die den dortigen Strickkreis leitet, erhielt kurz vor Weihnachten ein Dankschreiben des DIFÄM (Deutsches Institut für Ärztliche Mission) und leitete es an unsere Strickkreise weiter:
„Liebe Strickerinnen, wir danken Ihnen, dass Sie auch in diesem Jahr wieder so viele Decken und Höschen gemeinsam mit Ihren Kolleginnen angefertigt und geschickt haben. Wir können Ihnen wirklich nicht genug dafür danken. Viele der Decken gingen an Gesundheitseinrichtungen in Malawi und Kamerun. Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt und Unterernährung ist verbreitet. Häufig mangelt es in vielen Krankenhäusern auch an so einfachen Dingen wie Decken. Wie schön ist es dann, wenn das Krankenhauspersonal die in Deutschland von fleißigen Strickerinnen und „Häklerinnen“ hergestellten Decken den Patienten/-innen geben kann und die Säuglinge in diese „wahren Schätze“ eingewickelt werden können. Auch in Afrika ist es nachts kalt! (..) Ihr Christian Tica“
Im vorigen Jahr konnten von allen Strickkreisen des Kirchenkreises 980 Decken und 300 Höschen versandt werden. Das hört sich nüchtern an, doch wenn man bedenkt, dass jede Decke etwa 1 kg wiegt – das sind bei 980 Decken … Wie viel Wolle, und noch interessanter: Wie viele Maschen! Frau Reckert schickte noch folgende Reime an die Strickerinnen: „Die gemeinsame Arbeit im Strickkreis tun wir Frauen gern. Groß ist die Freude und der Dank für die Wollspenden aus Nah und Fern. So viele schöne Wollknäuel, groß, klein, einfarbig und bunt, das gibt wärmende Decken und Höschen, die für Not leidende Kinder sind. Schon etliche Tausend Decken wurden von uns gehäkelt und gestrickt und durch DIFÄM in viele Länder verschickt.“ Also: Weiter stricken oder häkeln!
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„An alle fleißigen Frauen, die durch ihre Strick- und Häkelarbeit dazu beigetragen haben, dass wir im Jahr 2010 – fast unglaublich – 1200 Decken und 300 Höschen versenden konnten. Hier nun ein kurzer Bericht, wohin unsere Decken und Höschen gesandt, und gebraucht wurden. Ende Juli wurden von Herrn Fastner aus Hamburg 435 Decken und 50 Höschen für eine Sendung nach Laos abgeholt. Dies geschah durch die Vermittlung von D I F Ä M in Tübingen. Über die Ankunft des Containers und die Verteilung der Sachen werden wir demnächst einen Bericht bekommen . Anfang Oktober wurde ein Container bepackt mit Fahrrädern, Nähmaschinen, Werkzeugen, Schulmöbeln und vielem mehr . Dabei waren auch 450 Decken und fast 150 Höschen von uns. Diesmal war das Ziel Gambia - Afrika. Herr Algasim Jallow war in seiner Heimat, als die Fracht dort an kam . Einen Brief von ihm lege ich bei. Damit glaubten wir, das Jahr 2010 wäre mit Bedarf an Decken und Höschen abgeschlossen. Aber nein - kurz vor der Adventszeit kam ein Anruf von Frau Winter, „Malawihilfe Verein“ aus Gelnhausen: Wie viele Decken können wir haben? Unüberlegt und spontan sagte ich: 300! Dann kamen mir Bedenken, dass ich doch den Mund zu voll genommen hatte - aber was glaubt ihr? Auch diese Bitte konnten wir noch erfüllen. 320 Decken und auch viele kleine Baumwollhöschen wurden am 1. Dezember abgeholt. Es ist doch schön, wenn wir spüren: unsere Handarbeit hat ihren Wert und wird gebraucht. Wir werden im Frühjahr mal wieder ein Treffen aller Strickkreise planen, und ich denke, dass Herr Algasim Jallow dabei sein kann, um einen Bericht aus Gambia zu geben.
Nun wünsche ich euch allen ein gutes Jahr 2011 - gesunde fleißige Hände und genügend Wolle
mit herzlichen Grüßen
Elfriede Reckert vom Strickkreis Niederelsungen“
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